Zuladung im Wohnmobil

Zuladung

– das leidige Thema!

 

eigentlich beschäftigt die Zuladung das ganze Jahr über einen mobilen Camper. Doch gerade jetzt zur Urlaubszeit häuft sich wieder dieses Thema auf Facebook und Co.

Mir stellt sich dann immer die Fragen, ob sie von allen anderen eine Absolution erteilt bekommen wollen, damit sie Überladen fahren können oder einfach nur bekloppt sind.

Als wir vor 4 Jahren nach Kroatien wollten, hat uns dieses Thema auch voll im Griff gehabt. Unser Rimor Koala 45 war für 3,5t ausgelegt. Wer Erfahrung mit einem 3,5t Wohnmobil hat, der weiß, dass es oft ziemlich knapp bis unmöglich wird mit der Zuladung. Und wenn man dann noch mit 2-4 Kindern unterwegs ist, dann wird das eine ziemlich sportliche Angelegenheit 😉 . Natürlich gibt es Tricks wie z.B. mit leerem Wassertank zu fahren. Spart immerhin etwa 100kg. Hinweise wie „Dann lass die Alte zuhause und fahrt alleine!“ sind zwar lustig, aber ob sie wirklich immer sinnvoll sind, dass lass ich mal dahingestellt und sollte jeder für sich entscheiden 😀 .

48 Stunden vor Abfahrt sind wir damals einfach mal auf eine Waage bei unserem örtlichen Werkstoffhof gefahren. Wir hatten ein Gewicht von 3.430kg!!! Oh, mein Gott!!!! Es fehlten noch

  • Kleidung
  • der Inhalt unseres Kühlschranks
  • Fahrräder

und (das Wichtigste!)

  • 4 Schlüpfküken!

Die Verzweiflung in diesem Moment war unbeschreiblich! Wir haben dann überlegt, was man ändern kann. Haben jedes Teil gewogen. Mr. Google gefragt, um Lösungen zu finden. Wir haben was von „leeren Wassertank“ bis „lass die Alte zuhause“ über „Karenz von 10%“ gefunden. Doch alles war nicht mit unseren Plänen zu vereinbaren. Weitere Möglichkeiten waren eine eventuelle Auflastung oder einer Anhängerkupplung 😉 .

Wir hatten uns damals kurzfristig für eine Auflastung entschieden, weil es nur noch 48 Stunden bis zur Abfahrt nach Kroatien waren und es einfach zu knapp für eine Anhängerkupplung war 😉 .

Zum Glück war bei uns eine Auflastung bis 3.850kg ohne technische Veränderungen möglich. Unser Ford-Vertragshändler hat uns entsprechend unterstützt und im Eil-Verfahren alle Papiere besorgt. Das ich dann 5 Stunden vor Abfahrt noch beim Straßenverkehrsamt saß, war mir auch egal. Wichtig war mir nur, dass wir mit ruhigem Gewissen und einer eingehaltenen Zuladung fahren würden.

Fahrräder und zwei Schlüpfküken eingepackt, nochmal kurz auf die Waage gefahren und…tatda!!!

3690kg!!

Die beiden noch fehlenden Schlüpfküken wiegen zusammen keine 160kg, daher konnten wir jetzt endlich mit einer erlaubten Zuladung in den Urlaub fahren…

Nach dem Urlaub wurde unser Wohnmobil um ein Zubehör erweitert: Einer Anhängerkupplung 😀 . Den passenden Anhänger haben wir uns für die Ferien immer gemietet, weil dies für uns einfach wirtschaftlich und rentable war.

Wenn ich die Fragen über die Zuladung lese, verdrehe ich die Augen, fasse mich am Kopf und werde manchmal echt wütend, was für Tips die User geben. Ich finde das ungeheuerlich! Schließlich gefährdet man mit einer erhöhten Zuladung nicht nur andere, nein, man verliert auch den Versicherungsschutz!!!

Der „Hinweis“ auf den Versicherungsschutz ist dann auch immer mein Senf dazu! An den Versicherungsschutz denkt (fast) niemand dabei. Die Gedanken kreisen dann eher um das Wiegen irgendwo auf der Autobahn und dem draus resultierenden Bußgeld. Da wird darüber „gefachsimpelt“ wieviel Karenz es in Deutschland, Schweiz oder Österreich gibt. Schon mal darüber nachgedacht, ob die Versicherung dir auch „Karenz“ gibt????

Tips, was man eventuelle machen kann, falls man gewogen wird und die Zuladung zu hoch ist: „Fahr mit halb leeren Wassertank“…“Lass den Wassertank leer“….“Den Wassertank kannst du beim Wiegen noch leer machen“…“Mit halben Tank fahren. Nachtanken kannst du unterwegs“…“Lebensmittel vor Ort kaufen“. Das sind bestimmt gute Tips und Hinweise, wenn man kurz vor erreichen der Zuladung steht, aber doch nicht, wenn die Zuladung bereits überschritten ist 🙁 !

Jetzt stell´ dir mal echt vor (und ich hoffe, es passiert weder dir oder sonst wen!), du hast einen Unfall. Egal, ob du Schuld bist oder nicht. Die Versicherungen suchen doch förmlich nach Gründen, dass sie nicht zahlen müssen. Dabei schauen sie natürlich auch darauf, wieviel dein Wohnmobil wiegt. Laut Aussage der KRAVAG und der HDI muss bei Versicherungsabschluss eine Angabe über das zulässige Gesamtgewicht gemacht werden. Dieses zulässige Gesamtgewicht ist versichert. Sollte das Gesamtgewicht, wegen Überladung, überschritten werden, verfällt der Versicherungsschutz!

Weiteren Gefahren, die ihr wegen einer überschrittenen Zuladung euch und anderen aussetzt sind weiterhin:

  • Bei einer Überladung funktionieren die Bremen nicht wie gewohnt. Das Fahrzeug ist zu schwer, um normal abbremsen zu können.
  • Dies gilt auch für die Reifen, die durch Überladung Schaden nehmen könnten. Auch ist nicht mehr gewährleistet, dass sie optimalen Halt auf der Straße geben.
  • Das Fahrzeug ist nur bis zu einer bestimmten Last funktionsfähig. Bei Überladung droht Schwanken des Fahrzeugs durch unausgeglichene Lasten, oder ein „Schlingern“ innerhalb von Kurven.

Das alles trägt zu einem akut zum Unfallrisiko bei!

An den örtlichen Entsorgungsstationen (Müllabfuhr, Werkstoffhof, etc.) könnt ihr euer Fahrzeug, eventuelle gegen ein kleines Entgelt, wiegen lassen. Das genaue Gewicht würde man ermitteln, wenn man die Last der einzelnen Achsen wiegen würde. Doch welche Privatperson kann das schon?

Solltet ihr einmal den Caravan-Salon in Düsseldorf besuchen, dann habt ihr am Wochenende die Möglichkeit euer Fahrzeug kostenlos von der Polizei wiegen zu lassen. Dies alles ohne Strafe 😉 . Dieses Angebot wird als kostenloser Service vom Caravan-Salon angeboten.

Hier findet ihr einen Auszug aus dem Bußgeldkatalog Überladung 2016, der die Bußgelder bei Missachtung der Ladungsvorschriften vorschreibt:

TatbestandBußgeldPunkte
Pkw überladen (Fahrer und Halter)
über 5 %10 EUR
über 10 %30 EUR
über 15 %35 EUR
über 20 %95 EUR1
über 25 %140 EUR1
über 30 %235 EUR1

 

Ich weiß nicht, ob ich wirklich zu kleinlich bin oder die anderen nur lebensmüde?

 

Fazit:

Gerade wenn ihr mit dem Wohnmobil verreist, solltet ihr euer Wohnmobil vor einer längeren Fahrt wiegen lassen, um eine Überladung auszuschließen. Öffentliche Waagen findet ihr beispielsweise auch an Entsorgungsanlagen. Für ein Entgelt von bis zu acht Euro könnt ihr euer Fahrzeug dort wiegen lassen, und so auf Nummer sicher gehen, dass euer beladenes Wohnmobil nicht zu schwer ist. Dies ist zwar günstiger als ein Bußgeld, aber leider gibt es nicht sehr viele öffentliche Waagen in Deutschland, so dass die Anreise womöglich sehr weit ist. Falls ihr mit Anhänger verreist, vergesst nicht, die Anhängelast zu überprüfen, um einen Bußgeldbescheid und Verstöße gegen das Verkehrsrecht, die zu Punkten in Flensburg führen, zu vermeiden!
Im Sinne um eurer Sicherheit und der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer:

Fahr´ nicht mit einem überladenen Fahrzeug!

 

Liebe Grüße
Eure_Bianca 2
 ©4reifen1klo.de
Posted in Zuladung.

Ich liebe nicht nur Camping - ich lebe es! Unser Traum ist es, in absehbarer Zukunft, wenn unsere Schlüpfküken alt genug sind um das Nest zu verlassen, im Wohnmobil zu leben und zu arbeiten. Momentan bin ich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit bei einer Krankenkasse noch als Forschungsbeauftragte am Institut für Kinderentwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen. Meine große Leidenschaft sind meine Family, das Kochen und das Reisen.

3 Comments

  1. Heikles Thema.

    Noch ein Punkt ist, dass die wiegenden Beamten auch fordern können, dass vor der Weiterfahrt ein korrektes Gewicht hergestellt wird. Wenn das dann mehr als der Inhalt des Wassertanks ist, hat man ein ziemliches Problem, auch wenn die Bussgelder in D ein Witz sind. Das ist im Ausland übrigens auch teurer.

    Wir dürften 5,2 Tonnen, hatten aber mit 3 Kindern und allem Pipapo noch nie mehr als 4900 Kg auf der Waage. Da schläft man ruhiger…

    bis denn,

    Uwe

    • Hallo Uwe!

      Stimmt: ein heikles Thema! Aber unheimlich wichtig und häufig nicht beachtet.

      Und ich gebe dir mit allem Recht! Vor allem, dass man ruhiger schläft 😉 .

      Wünsche dir und deiner Familie unfallfreie und wunderbare Fahrten!

      Liebe Grüße

      Bianca

  2. Danke für diesen Artikel. Neben dem „sauer“ werden, kommt bei uns nur noch Abbruch der Diskussion in Frage.

    Wir haben auf 4,25 t unseren Kastenwagen Auflasten lassen und bereuen das keine einzige Sekunde. Wir sind vorher zwar auch mal gerne mit Vmax unterwegs gewesen, aber am Ende waren wir nie wirklich schneller als unsere Freude.

    Wichtig ist es immer mal den Verweigerern zu erklären, dass es beim Wiegen und evtl. bestraft werden auch mal lediglich um die Überschreitung einzelner Achlasten geht und nicht nur immer um das zGG

    Somit wird noch mehr gereist und das mit sehr gutem Gefühl.

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