Faszination Camping

Faszination Camping

 

Irgendwann hab ich mal darüber nachgedacht, warum mich Camping so fasziniert.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! Das ist so wahr, wie das Salz in der Suppe. Schließlich ist Reisen, die Sehnsucht nach dem Leben und die Welt ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

Dieses Gefühl überall auf der Welt zuhause sein zu können. Einfach losfahren, wann und wohin man will. Immer der Nase nach. Anhalten wo man will (und darf). Diese Ungebundenheit und Freiheit, die man beim Camping erlebt. An den verschiedensten Orten der Welt aufzuwachen. Das ist einfach toll!

Als ich noch ein kleines Mädchen war, hatten meine Großeltern in Seppenrade/Lüdinghausen, direkt an einem toten Arm des Dortmund-Ems-Kanals, einen festen Campingplatz. Ich kann mich sehr gut an diese Zeit erinnern. Es war ein Abenteuer, obwohl meine Großeltern schon etwas strenger waren. Aber es war eine großartige Zeit!

Mit meiner Tante, die nur 2 Jahre älter ist als ich, musste ich immer zum Bauern laufen, um frische Milch zu holten. Diese Milch, frisch von den Kühen, wurde in Milchkännchen gefüllt. Manchmal war sie sogar noch warm. Diese Milch war für meine Großeltern das Leckerste -für mich der Albtraum meiner Kindheit! Ich kann den Geschmack gar nicht beschreiben und dann noch diese dünne Haut, die sich auf der Milch bildete. Ohne ganz viel Kakao war diese Milch nicht genießbar. Angeblich wäre diese Haut das Beste an der Milch. Ich kann das bis heute nicht nachvollziehen, aber anscheinend waren meine Großeltern diese Milch auch gewohnt -aus ihrer Kindheit, aus Kriegszeiten. Leider kann ich sie nicht mehr fragen, da sich bereits vor einigen Jahren nach Engelshausen umgezogen sind.

Die Zeit, die ich mit meinem ein Jahr jüngeren Bruder und meiner Tante am Dortmund-Ems-Kanal verbracht habe, wie wir über die Wiese getobt sind und von diesem wackeligen Steg ins Wasser gesprungen sind, haben sich in meinen Erinnerungen eingebrannt. Die wilden Fahrradfahrten, mit den anderen Kindern auf dem Campingplatz und die bunten Kinderfeste sind farbenfrohe Bilder, die ein Lächeln auf meinem Gesicht zaubern.

Heute weiß ich, was mich verzaubert hat: Es war diese Freiheit! Wir wussten als Kinder genau, wo wir uns herumtreiben und wo wir nicht weiter durften. Der Campingplatz war ein riesengroßer Spielplatz. Trotz der wachsamen Augen der anderen Eltern, fühlen wir uns nicht beobachtet, aber trotzdem sicher.

Zwischenzeitlich bin ich auch mit den Falken, einer Jugendgruppe, in den Sommerferien ins Zeltlager gefahren. Das Schlafen auf Strohsäcken im Schlafsack, das Anstellen beim Essen, das Klimpern von Metallgeschirr, der plätschernde Regen auf dem Zelt. Erinnerungen, die gerade wieder lebendig werden. Während andauernden Regenfällen mussten „Burggraben“ um die Zelte gebuddelt werde, damit wir nicht absaufen. Jeden Mittwoch war großes Aufräumen angesagt. Der Geschmack von Kamillentee, wenn man auf der Krankenstation war.

Manches vergisst man nie 🙂 . Aber all das hat meine Faszination zum Camping zum Leben erweckt.

In meiner letzten Ehe waren wir mit unseren zwei Schlüpfküken in den Sommerferien für drei Wochen mit einem großen Zelt unterwegs. Mensch, war der Kombi bepackt 😀 . Jet-Bag und Fahrräder waren auch noch auf dem Dach. Auf dem Campingplatz mussten wir uns einen Kühlschrank mieten. Da mein Ex-Mann allerdings „seine eigene Toilette“ brauchte, haben wir uns einen Wohnwagen angeschafft. Außerhalb der Sommerferien wurde der Wohnwagen auf einen 20 km entfernten Campingplatz abgestellt, auf dem wir einen festen Stellplatz angemietet haben. Für die Schlüpfküken war dies eine tolle Zeit. Genauso, wie ich sie bei meinen Großeltern erlebt habe. Es war aber schade, dass wir nur für drei Wochen in den Sommerferien den Wohnwagen genutzt haben. Die restliche Zeit stand er unter einem Carport auf dem Campingplatz. Natürlich nutzen wir ihn am Wochenende als „Wochenend-Domizil“. Aber ich wollte die Welt sehen…..

Die weiteren vier Sommer waren wir mit dem Wohnwagen unterwegs. Allerdings war dies nicht so befreiend, wie es heute ist. Dies lag wohl daran, dass ich das Gefühl hatte, dass mein Ex-Mann nicht die gleiche Faszination für Camping empfand, wie ich. Unsere Wege trennten sich zu dieser Zeit schon….

Mein Mann Frank war eigentlich schnell begeistert von der Camping-Idee. Ich habe ihn damals schon viel davon vorgeschwärmt. Er selber war als Kind oft auf Texel, weil sein Großvater dort einen Stellplatz hatte. Auch er hatte tolle Erinnerungen an diese Campingzeit.

2010 haben wir uns dann ein Wohnmobil geliehen, um damit eine dreiwöchige Rundreise zu machen. Nach dieser Fahrt war auch mein Mann entgültig mit dem Camping-Virus infiziert. Entweder man mag es oder man mag es nicht. Es ist wie Angeln oder Wandern. Entweder man liebt es bei Wind und Wetter oder man lässt es.

Auf der Caravanmesse in Düsseldorf, die kurz nach unserem Urlaub stattfand, haben wir uns intensiv nach einem Wohnmobil umgeschaut und nach der Messe bei Kucki-Mobil auch unser erstes Wohnmobil gekauft. Unsere Reisen begannen.

Für uns kam nur ein Wohnmobil in Frage. Damals, als ich noch mit dem Wohnwagen unterwegs war, habe ich immer gedacht, ein Wohnmobil ist eigentlich unpraktisch, schließlich hat man bei einem Wohnwagen immer ein Auto dabei, was natürlich praktischer ist. Bei einem Wohnmobil muss man immer erst wieder alles zusammen packen, damit man z.B. einkaufen fahren kann.

Heute denke ich anders. Es ist zwar immer noch praktischer, wenn man ein separates Fahrzeug dabei hat, aber man muss nicht mehr so viel auf- und abbauen. Man kann einfach stehen bleiben. Auto aus und schon bist du zuhause im Wohnzimmer. Ich muss nicht bei Regen erst den Hänger ab machen und aufbocken.

Wie gesagt, ich war selber mit Zelt und Wohnwagen unterwegs. Kenne das für und wider für mich.

Jeder stand ja schon mal im Stau. Manchmal ist der Stau rasch vorbei, aber es gibt auch Staus, da steht man ewig. Auch wir standen mit dem Wohnmobil einmal vor dem Gotthard-Tunnel in einem Stau. Der hat sage und schreibe 4 Stunden gedauert. Wir konnten während dieser Zeit allerdings problemlos auch mal zur Toilette gehen oder was essen. Ich habe sogar geschlafen 😉 . Da ist dann ein Wohnmobil ein riesiger Vorteil. Aber ob Caravan oder Wohnmobil -jeder muss selber gucken, was für einen sinnvoller ist. Da gibt es eigentlich kein besser oder schlechter. Camping ist individuell! Man passt sich einfach „seinem Camping“ an.

Im Oktober 2010 haben wir unser erstes eigenes Wohnmobil abgeholt. Mit unseren Schlüpfküken, die nichts von dem Wohnmobil wussten, sind wir dann direkt nach Texel gefahren.

Heute genieße ich jede Fahrt mit dem Wohnmobil mehr den je. Es tut einfach gut. Auch, wenn es oft nur ein Wochenende ist. Ein kleiner Tapetenwechsel, auch wenn er gerade einmal 48 Stunden dauert, wirkt Wunder auf Seele, Geist und Körper.

Infolge meiner rheumatoiden Arthritis merke ich vor, während und nach jeder Fahrt, wie gut Camping dem Körper tut.

Camping eine wunderbare Form, damit sich der Körper erholen kann. Wir vergiften unseren Körper jeden Tag mit Stress und Leistungsdruck. Der Körper rebelliert. Oft rebelliert er mit Kopfschmerzen. Spannungskopfschmerzen. Wenn der Stress dann abfällt, kann der Körper wieder „atmen“ und er hat Kraft für andere „Baustellen“.

Unsere Schlüpfküken klagten immer mehr über Kopfschmerzen. Der Stress in der Schule und die Nachmittagstermine, wie Sport oder treffen mit Freunden, lassen sogar schon diese kleinen Körper krank werden. Es ist dann wundervoll zu sehen, wie gut auch den beiden eine kleine Auszeit tut. Camping ist sogar gesund 😉 .

Kinder können sich beim Camping richtig entfalten. Heutzutage haben wir, aufgrund von Berufstätigkeit und anderen Terminen, wenig Zeit für Familie und Entspannung. Fußball spielen, toben und auch mal etwas lauter sein -es stört beim Camping fast niemanden. Ich habe es immer sehr genossen, dass wir unseren Schlüpfküken soviel zeigen konnten und sie während dieser Zeit einfach „Kind“ sein konnten. An schönen Stellen haben wir angehalten und sie konnten sich einfach im Wasser austoben, Sandburgen bauen und mit Matsche rumspielen. Im Zelt, vor dem Wohnmobil, auf dem Campingplatz schlafen. Auch, wenn Klassenkameraden und Freunde immer wieder von tollen Hotels und Swimmingpools erzählten, wurden unsere Schlüpfküken für ihre Reisen beneidet.

Grab von Nicolo Paganini

Josy voller Respekt am Grab von Niccoló Paganini

Jetzt ist es sogar so, dass wir Orte besuchen, die unter anderem für die Schule interessant sind. Ostern 2015 wollten wir nach Italien fahren. Unser kleines Schlüpfküken hatte zu dieser Zeit das Thema „Paganini“ im Musikunterricht. Nicolo Paganini hat sein Grab in Parma/Italien. Wir haben diese Grabstätte besucht. Schulunterricht hautnah! Für unser Schlüpfküken eine grandiose Aktion. Sofort schickte sie Freunden über Whats App Fotos. Klassenkameraden und der Musiklehrer waren davon begeistert. Warum sollte man Campingreisen nicht auch so nutzen?

berlin-berliner mauer-mauerweg

Deutsche Geschichte hautnah!

Italien wird jetzt öfter unser Reiseziel sein. Unsere „Kleine“ wird ab nächstes Jahr Italienisch in der Schule lernen. Wie kann man eine Sprache besser lernen, wenn man sie auch noch aktiv nutzen kann?? Außerdem wurde der Wunsch nach Pisa, Rom und Neapel geäußert. Nun haben die Fahrten, wo wir an Spaßbäder und Spielplätze denken mussten, ein Ende. Es war ein schöne Zeit, aber jetzt beginnt eine Zeit, wo wir auch „was sehen können“, ohne dass es unseren Schlüpfküken langweilig wird. Es gibt nicht schlimmeres, als mit genervten Kindern „Sehenswürdigkeiten“ anzusehen. Nun kommt bei ihnen das Interesse für Kulturelles. London steht noch auf dem Camping-Programm. Berlin haben sie schon kennengelernt. Auch davon waren sie begeistert, da sie die deutsche Geschichte bereits in der Schule durchgenommen haben. Geschichte kann man auch live erleben. Dann ist Schule gar nicht mehr so schlimm und macht sogar Spaß.

Mittlerweile haben wir unser Wohnmobil, dass für 6 Personen war, gegen ein anderes Wohnmobil ausgetauscht. Es ist jetzt an der Zeit, wo sich ein Schlüpfküken nach dem anderen (erstmal) vom Camping verabschiedet. Sie werden halt älter und die Interessen ändern sich. Unser fast 18-jähriges Schlüpfküken hat aber schon den Wunsch geäußert, irgendwann einmal mit einem alten T5 unterwegs zu sein. Aber zunächst steht Abitur und Studium im Vordergrund. Und eigentlich ist es auch ganz schön, mal „alleine“ unterwegs zu sein. Auch das genießen wir sehr!

Camping ist Faszination mit vielen Facetten!

Ich denke, wir werden uns in absehbarer Zeit auf den Spuren meiner Kindheit begeben und den alten Campingplatz meiner Großeltern besuchen. Den gibt es nämlich noch….

 

Eure_Bianca 2
©4reifen1klo.de
Posted in Faszination Camping.

Ich liebe nicht nur Camping - ich lebe es! Unser Traum ist es, in absehbarer Zukunft, wenn unsere Schlüpfküken alt genug sind um das Nest zu verlassen, im Wohnmobil zu leben und zu arbeiten. Momentan bin ich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit bei einer Krankenkasse noch als Forschungsbeauftragte am Institut für Kinderentwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen. Meine große Leidenschaft sind meine Family, das Kochen und das Reisen.

2 Comments

  1. Hallo liebe… hmm, wie heißt du nun eigentlich?
    Hab zwar schon einiges auf deinem Blog gelesen und es hat echt Spaß gemacht, aber wie du heißt, das hab ich noch nicht rausgefunden 😀
    Super Blog-Name übrigens, musste erstmal lachen, als ich hier heute (glaube durch facebook) das erste mal drüber gestolpert bin 😀 Werd auf jeden Fall öfter mal reinschauen 🙂

    Viele liebe Grüße
    Lisa

    • Hallo Lisa,

      das freut mich, dass es dir gefällt und du mich öfter besuchst!

      Im Beitrag „Über uns“ erfährst du einiges über mich, meinem Mann und unsere Schlüpfküken.

      Liebe Grüße

      Bianca

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